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„Christen sind für Verständigung und Versöhnung in Europa“

Erzbischof Hans-Josef Becker sprach sich für Verständigung und Versöhnung in Europa aus.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 19. Mai 2019. Mit einem feierlichen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn ist am heutigen Sonntag die Jahresaktion des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis „Lernen ist Leben“ von Erzbischof Hans-Josef Becker und Pfarrer Dr. Christian Hartl, Renovabis-Geschäftsführer, eröffnet worden. Im Mittelpunkt steht bei der diesjährigen Pfingstaktion die Bildung, die über den reinen Schulbesuch hinausgeht, und vielmehr die persönliche Reife und Wertevermittlung einbezieht.

„Wir möchten den Akzent unseres Europabildes auf gemeinsame Werte setzen und betonen, dass dafür die Basis ein christliches Europa mit einem von der christlichen Kultur geprägten Menschenbild ist“, so der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt, der darauf verwies, dass das Christentum stets eine Bildungsreligion gewesen sei, die auf Aufklärung und Bildung setze. Becker: „Der Glaube sucht den Verstand. Glaube hat also immer auch mit Nachdenken zu tun, mit der Liebe zur Weisheit, nicht zuletzt mit dem gesunden Menschenverstand.“

Umso mehr freue es ihn, so Erzbischof Becker, dass die Renovabis-Pfingstaktion den Gedanken der Bildung aufnehme: „Lernen ist Leben, Leben ist Lernen.“ Lernen und Bildung sei eine Chance für die Menschen in Mittel- und Osteuropa ihr Leben aktiv zu verändern. In Europa sei die Geschichte mit Kriegen und Katastrophen noch allgegenwärtig. Bei einem Treffen mit Schriftsteller Navid Kermani im vergangenen Jahr sei ihm das Buch „Entlang der Gräben“ aufgefallen. Dabei, so der Erzbischof, setze Kermani auf das Europa von heute als Hoffnung, als ein friedliches Nebeneinander von Unterschieden. Kermani verweise auf das Christentum und seiner Botschaft der Gottes- und Nächstenliebe.

Auch das heutige Evangelium (Joh 13, 31-33a. 34-35) verweise darauf: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ 

Das sei die Seele Europas, betonte der Erzbischof, der sich freute, dass Renovabis in diesem Sinn von „Herzens- und Lebensbildung“ spreche. „Europa wäre ohne diese Bildung durch das Christentum anders. Christen sind für Verständigung in Europa, Versöhnung und Brückenbau. Das sind auch die Kernthemen von Renovabis.“

Bildungsprojekte im Erzbistum Paderborn in Verbindung mit dem Sozialinstitut Kommende in Dortmund oder mit dem Johann Möhler-Institut für Ökumene in Paderborn werden von Renovabis gefördert, ebenso wie die Jugendcamps und die Kampagne „Go4peace“. 

„Zum Pessimismus und zum Ausheben neuer Gräben in Europa besteht also kein Anlass. Wir dürfen uns nur nicht von denen verführen lassen, die keine Hoffnung in sich tragen“, schloss Erzbischof Hans-Josef Becker seine Predigt und baut darauf, dass Europa seine Kraft aus den christlichen Wurzeln zieht.

Zum Abschluss des Pontifikalamtes an dem neben Erzbischof Hans-Josef Becker auch Weihbischof Matthias König, Bischof Stanislav Szyrokoradiuk (Ukraine), Bischof Vasile Bizau (Rumänien) sowie Pastor Meinolf Wacker (Kamen und Pfarrer Dr. Christian Hartl (Renovabis) teilnehmen, wurde die Pfingstaktion offiziell eröffnet. Renovabis Hauptgeschäftsführer Christian Hartl bedankte sich herzlich beim gastgebenden Erzbistum Paderborn für eine sehr gut organisierte Eröffnungswoche. Vor allem galt sein Dank aber auch den zahlreichen Spendern und Spenderinnen von Renovabis, die hauptsächlich aus Deutschland kommen. „Ich freue mich und kann nur hoffen, dass sie uns in unserer wichtigen Projektarbeit in Ost- und Mitteleuropa weiter unterstützen.“

Für den musikalischen Rahmen des Auftaktgottesdienstes sorgten die Mädchenkantorei am Paderborner Dom unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle, Domorganist Tobias Aehlig sowie das Vokalensemble von drei Seminaristen aus Kiew.

Beim anschließenden Empfang in der Aula der Michaelsschulen konnte Weihbischof Matthias König, Bischofsvikar für Aufgaben der Weltkirche und Weltmission im Erzbistum Paderborn, zahlreiche Gäste begrüßen, die in dieser Impulsveranstaltung mit Renovabis sowie den Partnerinnen und Partnern aus Osteuropa ins Gespräch kommen konnten.

Die Michaelsschulen seien ein Ort, der sich aus Überzeugung und dem Glauben heraus, für Solidarität stark mache, und der Einsatz für die Schwächeren in der Welt Programm des Unterrichts seien, betonte Schulleiter Claudius Hildmann.

Den Gästen wurden Jugendliche aus Projekten von Renovabis vorgestellt wie das Orchesterprojekt aus Tranzit oder die Aufgaben eines MaZler (Missionar oder Missionarin auf Zeit) auf Erfahrungsberichten erläutert. Abschließend erteilte Weihbischof Matthias König den Aussendungs-Segen. 

  • Zum Eröffnungsgottesdienst wurde eine Ikone, die von Hildegard Rall für Renovabis geschrieben wurde, im Altarraum aufgestellt. Darauf sind die sechs Patrone Europas zu sehen, die verschiedene Regionen des Kontinents repräsentieren: Die Heiligen Method und Kyrill den Osten, Benedikt den Westen, Birgitta von Schweden den Norden, Katharina von Siena den Süden und Edith Stein die Mitte Europas. Sie stehen rechts und links des zentralen Throns, auf dem das geöffnete Evangelienbuch liegt. In ihm ist zu lesen: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Es symbolisiert Jesus Christus. Ihn haben die Heiligen den Menschen verkündet und deren Leben mit dem Licht des Evangeliums erhellt.

  • Das Motiv, das die Eröffnung der Renovabis-Pfingstaktion in Paderborn auf Gebetszetteln oder dem Begleitheft zum Pontifikalamt prägte, stammt von einer Schülerin der St. Hildegardis-Schule. Laura Knura stellte das Bild im Kunst-Unterricht fertig und erntete viel Lob für ihre Darstellung. Renovabis-Geschäftsführer Dr. Christian Hartl leitete das Gebet mit den Worten ein: „Eine Schülerin hat eine Ahnung. Sie ahnt etwas vom Wirken des Heiligen Geistes. Zwei Farben dominieren ihr Bild: rot und blau. Rot könnte für die Liebe stehen, blau für die Klarheit. Die vielen Köpfe, die nackten Gestalten werden übergossen mit Liebe und Klarheit.“