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Wenn Bildung Brücken baut

Dragan Ribic - ein Meister am Akkordeon.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 17. Mai 2019. Talk, Musik und Begegnungen im Forum St. Liborius in Paderborn. Zum „Weltkirchlichen Abend“ unter dem Motto „„Lernen ist Leben – Bildung baut Brücken“ luden das Erzbistum Paderborn und Renovabis am Freitagabend ein. Denn nicht nur das Hilfswerk, sondernauch das Erzbistum Paderborn hat enge Kontakte nach Osteuropa, die von Projektpartnern vorgestellt wurden. 

Renovabis hat seit 1993 rund 23.800 Projekte in 29 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas unterstützt. Für Ungarn präsentierte Barbara Csapó-Emondi im Gespräch mit Thomas MüllerBoehr das Projekt „Schule der Möglichkeiten“. Der Stadtteil Pest in Budapest ist ein typisches Hipster-Ausgehviertel, wie man es in vielen europäischen Hauptstädten findet: In schicken Straßencafés sitzen Touristen und junge Einheimische, die Speisekarten sind in englischer Sprache und selbstverständlich gibt es überall „Free WIFI“. Die Modernisierungsverlierer leben im Schatten, junge Leute ohne Schulabschluss bekommen höchstens schlecht bezahlte Jobs als Hilfsarbeiter. Für sie gibt es einen Steinwurf von den schicken Restaurants entfernt in einem Raum des Jesuitenkonvents die „Schule der Möglichkeiten“. 

Barbara Csapó-Emondi berichtete aus Ungarn.pdp / Ronald Pfaff In den acht Jahren seit Bestehen haben die „Schulen der Möglichkeiten“ über 120 Schulabbrechern die Möglichkeit gegeben, an sechs Standorten im Land ihren Abschluss der achten Klasse nachzuholen. Das Alter reicht von 16 bis 64, doch mehrheitlich sind es junge Menschen. Eine wichtige Motivationsquelle ist der Führerschein, den in Ungarn nur erhält, wer einen Schulabschluss vorweist. Barbara Csapó, die Koordinatorin der „Schule der Möglichkeiten“, versteht ihre Arbeit darin, Knoten im sozialen Netz zu flechten: „Wir haben angestellte Lehrer, aber setzen hauptsächlich auf ehrenamtliche Mitarbeiter, der zwei Mal die Woche hierherkommt.“

Die ganzheitliche Bildung steht bei diesem Projekt im Vordergrund und soll Brücken bauen für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Im Forum St. Liborius fand Barbara Csapó faszinierte Zuhörer.

Nadia Bailon-Humpert und Ramadan Mustafa.pdp / Ronald Pfaff Im sozialpädagogischen Zentrum „Loyola Tranzit“ engagieren sich Schülerinnen und Schüler des Loyola Gymnasiums in Priszren, Kosovo, für benachteiligte Kinder aus dem angrenzenden Roma-Viertel. Doch die Schülerinnen und Schüler der Loyola Schule bilden sich nicht nur selbst weiter, sondern auch andere bedürftigen Roma Kindern. Vor zwei Jahren haben die Schülerinnen und Schüler angefangen ein Kindergarten, ABC-Klasse und Musikgruppe auf die Beine zu stellen. Angefangen hatten sie auf einem Teppich auf einer Wiese in der Barackensiedlung, um den benachteiligten Kindern im „Tranzit“ das ABC beizubringen. Von der Wiese, wo man nicht nur gemeinsam lernte, sondern auch musizierte, zogen die Kinder in einen kleinen Raum. Immer mehr schlossen sich dem Projekt an, das auf fünf Säulen basiert: der Schule der Kleinsten, der Schüler, der Musik, des Zusammenlebens und der Verantwortung. Mittlerweile helfen mehr als 25 Schülerinnen und Schüler nachmittags im Kindergarten und abends bei der Hausaufgabenbetreuung freiwillig mit. „Mit ihnen statt für sie“ – das ist das Motto der Brückenbauer aus dem Loyola-Gymnasium.

Armut, Ausgrenzung und Analphabetismus bestimmen die Region über die Nadia Bailon-Humpert und Ramadan Mustafa im Gespräch mit Andrea Schütt berichteten. 20 Jahre nach dem Kriegsende ist die Bevölkerung immer noch von einer schlechten Infrastruktur betroffen und hat einen wenig aussichtsreichen Arbeitsmarkt vor sich.

Ein überraschendes Abendkonzert von drei Priesterkandidaten.pdp / Ronald Pfaff Musikalisch begleitete den Abend der an der Detmolder Musikhochschule studierende Dragan Ribic, der ein Virtuose am Akkordeon war und anhaltenden Beifall erhielt. Beim abendlichen gemütlichen Ausklang überraschten noch drei Gäste mit eindrucksvollem Gesang.