Aktuelles

„Leben ist Lernen und Lernen ist Leben“

 

Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Stanislav Szyrokoradiuk, Barbara Csapó-Emodi, und Pfarrer Dr. Christian Hartl.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 16. Mai 2019. Die bundesweite Pfingstaktion des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis findet in diesen Tagen mit zahlreichen Aktionen im Erzbistum Paderborn statt und am wird am Sonntag mit dem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn offiziell eröffnet. Unter dem Motto „Lernen ist Leben“ möchte Renovabis in diesem Jahr besonders darauf aufmerksam machen, dass Bildung eine wichtige Voraussetzung für eine gute Zukunft ist – vor allem wenn Bildung Kopf und das Herz der Menschen erreicht. 

„Ich freue mich sehr, mit Gästen und Vertretern der Solidaritätsaktion Renovabis die Pfingstaktion hier in Paderborn zu eröffnen“, empfahl Erzbischof Hans-Josef Becker bei einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz allen Katholikinnen und Katholiken das Anliegen des Hilfswerks. Es komme ihm sehr gelegen, dass zu einer Zeit, in der „Europa“ nicht nur durch die Wahlen am Sonntag in einer Woche in aller Munde sei, mit Renovabis, das besonders für Ost- und Mitteleuropa einen Beitrag leiste, das Thema kirchlicherseits zur Sprache gebracht werde. 

Die katholische Weltkirche brauche das solidarische Engagement der deutschen Katholiken für „ihre Brüder und Schwestern“, aber auch für alle Menschen in prekären Verhältnissen oder gar existenziellen Notlagen, weiterhin. „Uns ist an einem zusammenwachsensen Europa gelegen. Wir möchten jedoch den Akzent unseres Europabildes auf gemeinsame Werte setzen und betonen, dass dafür die Basis ein christliches Europa mit einem von der christlichen Kultur geprägtes Menschenbild ist. Dazu kommt die katholische Soziallehre“, betonte Erzbischof Becker. 

Respekt, Toleranz und gegenseitiger Offenheit könnten ein gutes Miteinander in einer Zeit schaffen, in der Menschen aus anderen Kulturkreisen vorübergehend oder längerfristig in Europa eine neue Heimat fänden: „Das gemeinsame Leben hängt ein gutes Stück von der Lernbereitschaft ab: Leben ist Lernen und Lernen ist Leben.“ Somit sei nicht nur die Überweisung einer Geldsumme für den Osten Europas eine Hilfe, sondern der Dialogprozess. 

Renovabis ermöglicht diözesanen Gruppen, Freiwilligendienst-Leistenden, Pilgern, Journalisten und anderen Multiplikatoren eigene Eindrücke und Erfahrungen im Osten Europas zu sammeln. Aus demselben Grund sind Partnerschaftsgruppen aus deutschen Bistümern immer wieder im persönlichen Kontakt vor Ort. Erzbischof Becker: „Seit einem Vierteljahrhundert ist solche Partnerschaftsarbeit auch im Erzbistum Paderborn üblich.“ Der ehemalige Weihbischof Paul Consbruch habe sich sehr engagiert. Heute legt für die apostolische Aufgabe des weltkirchlichen Engagements Weihbischof Matthias König größten Wert auf Begegnungen nach Süden, aber eben auch nach Osten. 

„Das Leitwort der Renovabis-Pfingstaktion 2019 stellt die Bildung in den Vordergrund. Renovabis fördert seit seiner Gründung vor 26 Jahren Projekte, die Bildung in einem ganzheitlichen Sinne unterstützen. In den ehemals kommunistischen Ländern Mittel-, Ost- und Südeuropas war das Bildungssystem von Ideologie und Nützlichkeitsdenken geprägt. Auch 30 Jahre nach dem Zusammenbruch dieses Systems sind die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Folgen davon allerdings noch immer spürbar“, erklärte Pfarrer Dr. Christian Hartl, Hautgeschäftsführer von Renovabis. Daher sei es für das Hilfswerk wichtig, dass die ausgewählten Projekte zeigen, dass Bildung mehr als Schule und reine Wissensvermittlung sei. „Zur persönlichen Reife gehört zum Beispiel auch religiöse Bildung und Vermittlung von Werten.“ 

In der heutigen Pressekonferenz in Paderborn stellte Bischof Stanislav Szyrokoradiuk (Ost-Ukraine) das Projekt „Ausbildungsbeihilfen der Caritas-Spes für bedürftige Studenten für das Studium in der Ukraine“ vor. Die Ausbildung an einer Hochschule lege das Fundament einer Karriere für die Studenten, was wiederum gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeute. „Wir ermöglichen Jugendlichen aus armen, kinderreichen oder nicht vollständigen Familien, unabhängig von ihrer Konfession, eine Ausbildung oder ein Studium“, sagte Bischof Szyrokoradiuk. 

Die Schule der Möglichkeiten – ein anderes Beispiel der Renovabis-Arbeit – stellte Barbara Csapó-Emodi aus Ungarn vor. Das Projekt hat 2010 seine Arbeit aufgenommen. Ein Bildungsprogramm auf der Grundlage der ignatianischen Pädagogik, das benachteiligten Menschen helfen soll. 

In einem feierlichen Pontifikalamt wird die Renovabis-Pfingstaktion am kommenden Sonntag, 10 Uhr, im Hohen Dom zu Paderborn offiziell eröffnet. Erzbischof Hans-Josef Becker steht dem Gottesdienst vor. Musikalisch wird die Eröffnung von der Mädchenkantorei Paderborn und Sängern aus der Ukraine getragen. Die Heilige Messe wird auch live im Domradio Köln übertragen. 

  • Das Spektrum der im Jahr 2018 geförderten 636 Projekte von Renovabis war breit gefächert. Es reichte von Existenzhilfen für Priester und Ordensleute oder die Ausbildung von Diakonen und Katecheten über Tageszentren für benachteiligte Kinder und Jugendliche oder Alten- und Pflegeheime bis hin zu Ausbildungswerkstätten, Schulen und Studien-Stipendien.
  • Renovabis erhielt im vergangenen Jahr 6,1 Mio. Euro an Spenden (6,4 Mio. Euro in 2017) und 4,23 Mio. Euro (Vorjahr: 4,65 Mio. Euro) durch Kollekten. Die 1,5 Millionen Katholiken aus dem Erzbistum Paderborn haben in der letztjährigen Pfingstkollekte  fast eine Viertelmillion Euro aufgebracht.
  • Weitere Termine: 17. Mai (18 Uhr) Konzert der Schulorchester aus Prizren und Lennestadt im Gymnasium Maria Königin, Altenhundem. 17. Mai (19 Uhr) Weltkirchlicher Abend im Forum St. Liborius. 18. Mai (ab 10 Uhr) Tag der Offenen Tür im Studienkolleg St. Irenäus. 20. Mai (ab 9.30 Uhr) Studientag in der Kommende Dortmund.
  • Ausführliche Informationen unter www.renovabis.de oder www.renovabis-paderborn.de