Ungarn

Barbara Csapó

Barbara Csapó-Emodi Foto: Renovabis Barbara Csapó wurde im Jahr 1969 in Ungarn geboren.
Nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium im Fach Anglistik mit anschließendem Aufbaustudium für Übersetzung absolvierte sie das Studium für Angewandte Sprachwissenschaften sowie eine journalistische Zusatzausbildung. Von 1998 bis 2004 arbeitete sie als Englischlehrerin.
Mit einer Zwischenstation als Journalistin in einem regionalen katholischen Radiosender ist sie seit 2010 Leiterin der "Schule der Möglichkeiten" in Trägerschaft der ungarischen Jesuiten.

Die Schule der Möglichkeiten

Viele Projekte im Bereich der Roma-Inklusion (in Ungarn genau wie in den Nachbarländern) arbeiten heute mit einem integralen Ansatz, welcher die Familien bzw. den gesamten Sozialraum mitbedenkt. Trotzdem sind meist eher die Kinder und Jugendlichen die Hauptzielgruppe oder zumindest der erste Ansatzpunkt.

Die Jesuiten richten den Fokus mit ihrem Programm nun speziell auf die nachholende Bildung von Erwachsenen. Das Programm "Schule der Möglichkeiten" gibt es seit dem Jahr 2010. Die Jesuiten initiierten es in Reaktion darauf, dass viele Erwachsene aus der Minderheit der Roma so wenig Schulbildung genossen haben, dass sie tatsächlich Analphabeten bzw. mindestens funktionale Analphabeten sind. Neben anderen Faktoren ist dies ein entscheidender Hinderungsgrund, der einer Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft entgegensteht. Ein großes Problem ist auch, dass sich die "Bildungsferne" in den Familien weiter fortsetzt, wodurch ein Teufelskreis der Armut entsteht.

Mit dem Programm der Schule der Möglichkeiten wird älteren Jugendlichen und Erwachsenen die Chance gegeben, Grundbildung nachzuholen, um damit den Einstieg in die Gesellschaft und die Arbeitswelt zu schaffen. Zudem finden sie hier einen Ort für Austausch und Begegnung, an dem sich etwa der "Roma Frauen Club" regelmäßig trifft.

Die lokale Regierung hat dafür Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die das Projekt unentgeltlich nutzen kann, welche allerdings in keinem besonders guten Zustand sind. Ein Großteil der Arbeit wird momentan von Freiwilligen bewerkstelligt. Bald sollen feste Lehrkräfte eingestellt werden und die Räumlichkeiten renoviert werden. Denn die Partner berichten von ständig steigenden Schülerzahlen (aktuell etwa 60-100 pro Woche), nicht zuletzt, weil das Arbeitsamt entsprechende Klienten an die Jesuiten verweist.